Die heutigen Aufgaben im Klinikbau


Jan Esche im Gespräch mit Marc Rehle und Fritz Galuschka

Was tut sich derzeit im Klinikbau, was sind die heutigen Bauaufgaben?

FRITZ GALUSCHKA Es gäbe viel zu tun, die Kliniken haben technischen und funktionalen Modernisierungsbedarf, aber es fehlt an Geld. Wir Klinikplaner arbeiten deshalb mit dem Auftraggeber und Klinikbetreiber gemeinsam daran, die Investitionskosten so massiv wie möglich zu reduzieren. Selbst Ideen zur Reduzierung der Betriebskosten werden nicht realisiert, wenn die Amortisationsdauer nur fünf Jahre übersteigt. Das liegt vielleicht an der durchschnittlichen Berufungsdauer eines Vorstandes, die oft nicht länger als fünf Jahre beträgt. Auf der anderen Seite müssen trotz Kostenminimierung die betrieblichen Anforderungen hinsichtlich Prozessorientierung, Hygiene, Sicherheit und Effektivität selbstverständlich erfüllt werden, Verbesserungen dürfen nichts kosten. Investitionen in Erscheinungsbild, optimierte Arbeitsplätze oder Aufenthaltsqualität sind so gut wie tabu, es sei denn für Privatstationen.

MARC REHLE Dieser Trend ist ein direkter Ausfluss aus dem Kostendruck der Krankenkassen. Auch hat man den Eindruck, dass der massive Investitionsstau der Kliniken erst abgebaut werden soll, wenn die bekannten Überkapazitäten abgeschmolzen sind, um sich dann auf die übrig gebliebenen   wettbewerbsfähigen Kliniken konzentrieren zu können. Zu diesen übrig  gebliebenen Häusern wollen natürlich möglichst alle dazugehören, weshalb Modernisierungen oft auch ohne Förderungen durchgeführt werden. Für diese sinnvollen Modernisierungen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit braucht es ein Gesamtkonzept, woran es leider oft fehlt. Oft werden Einzelmaßnahmen angepackt, die nicht in eine langfristige Entwicklung passen und daher verlorenes Geld darstellen.

FRITZ GALUSCHKA Eine Zielplanung macht immer Sinn. Natürlich sollte man sich dafür kompetente Kräfte suchen.

MARC REHLE Während in den letzten Jahren die bevorzugten Bauaufgaben in der Aufrüstung mit Untersuchung und Behandlung lagen, um neue Abrechnungsmöglichkeiten zu generieren (CT, Kernspintomographie, Linksherzkathetermessplatz, Ambulantes Operieren), stehen nunmehr verstärkt Strukturverbesserungen an wie Optimierung der OP-Abteilung und der Intensivabteilung. Optimiert werden kann die Erhöhung der
Fallzahlen bei verbesserter Hygiene und Behandlungssicherheit, denn die Veröffentlichungspflicht der Erfolgsquoten kann bei überholter Methodik schnell zum Abwandern von Patienten führen. Hier muss vor allem an Hygieneverbesserungen gearbeitet werden, z. B. durch Einzelzimmer in der Intensivpflege, Isolierzimmer, moderne Lüftungskonzepte und vor allem verbesserte Ablaufprozesse in den OP-Abteilungen.

Statt des früheren Verwaltungsleiters oder Baudirektors haben Sie als Planer es heute mit Managern und Vorständen als Bauherrenvertreter zu tun. Was hat sich dadurch geändert, welche Konsequenzen entstehen dadurch?

MARC REHLE Den Wechsel haben wir als starke Veränderung unserer Arbeit empfunden, auch wenn sich dieser Prozess über zehn Jahre hinzog. Heutige Verantwortliche denken in wesentlich kürzeren Zeitläufen und haben aber auch den Willen, in absehbarer Zeit Erfolge zu schaffen. Das ist besser als früher. Allerdings sind diese Erfolge (z. B. Erreichen einer schwarzen Null) auch nur kurzfristig, weil die bauliche oder personelle Infrastruktur währenddessen verlorengeht und dem Nachfolger auf die Füße fallen wird. Eine langfristigere Perspektive wäre durchaus erfolgversprechend, auch wenn dies in der heutigen Zeit für einen Vorstand schwer vermittelbar ist, das sehen wir schon auch. Aber Entwicklungen wie nachhaltiges Bauen, Green Building, energiesparende Technologien, arbeitskraftsteigernde Beleuchtung etc. sind erfolgversprechende Möglichkeiten, die im Klinikbau in der Regel nicht genutzt werden, da ein Erfolg erst mittelfristig nachweisbar ist.

Wo sehen Sie die aktuellen Herausforderungen im Klinikbau?

FRITZ GALUSCHKA Die aktuelle Herausforderung ist spannend: Wir haben einen Modernisierungsbedarf, keinen Erweiterungsbedarf. Und hier stellt sich die Frage an jedem Haus neu: Was ist sinnvoller, die Sanierung bei laufendem Betrieb oder ein optimierter Neubau? Während das letzte Jahrzehnt nicht zuletzt durch die Fördergeber die Sanierung bevorzugte, setzt sich momentan die Erkenntnis durch, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist, wenn man die längere Bauzeit einer Sanierung mit den damit verbundenen Nutzungsausfällen berücksichtigt. Außerdem können in einem Neubau auch all die neuen technischen Möglichkeiten zu reduziertem Bauunterhalt genutzt werden.

MARC REHLE Natürlich ist es mit dieser Erkenntnis allein nicht getan. Die Herausforderung liegt in der Fragestellung: Wo kann der Neubau optimal positioniert werden, wie funktioniert der Verbund, wie die weitere Entwicklung? Das sind die Fragen, wo wir als versierte Klinikplaner unsere Stärken ausspielen und große Lösungen entwickeln können.

Was können Sie Klinikbetreibern aus Ihrer Sicht raten?

MARC REHLE Die Kosten eines Klinikneubaues betragen etwas mehr als das Jahresbudget einer solchen Klinik, das ist vergleichsweise wenig. Angesichts dieser Relation die reine Bausumme nicht als alleiniges Ziel ansehen, sondern auch die Folgekosten, die langfristige Zielplanung und die Gebäudeoptimierung zur Förderung einer guten Betriebsorganisation ernst nehmen.

Herr Rehle, Herr Galuschka, ich bedanke mich für das Gespräch.